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Silke

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  • »Silke« ist der Autor dieses Themas

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Dienstag, 31. Mai 2011, 10:25

Thema Lungenreife

Schon seinerzeit im alten Drillisforum war ich immer verwundert, wie unterschiedlich die verschiedenen Ärzte mit dem Thema Lungenreife umgehen. Mich hat das interessiert, obwohl ich nicht mehr davon betroffen war. Also hab ich mir die Mühe gemacht und mich konkret erkundigt. Als Antwort hab ich folgende Mail erhalten:

LUNGENREIFE

Dr. Bernd Gerresheim

Tatsächlich beobachte auch ich große Unterschiede bezüglich der
Lungenreife in deutschen Krankenhäusern. Dies ist eigentlich verwunderlich da es klare Richtlinien bezüglich der Indikation (d.h. Bedingungen unter denen eine Therapie zum Einsatz kommen sollte) und der Dosierung gibt (vom National Institute of Health,USA; vom Royal College of Obstetricians and Gynaecologists RCOG und von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe)

Etwas unkar ist die Situation geworden nachdem sich herausgestellt hat,
daß wiederholte Zyklen einer Lungenreifung keine Vorteile bringen zumindest nicht nach der 28.SSW) sondern eher mit kindlichen Nebenwirkungen belastet sind.

Zur Zeit sollten wiederholte Lungenreifungen nur im Rahmen von Studien und nach sorgfältiger Nutzen/Risikoabwägung durchgeführt werden. Da aber andererseits das optimale Intervall zwischen Lungenreifung und Geburt 24h bis 7 Tage beträgt muß man gut abwägen wann man sozusagen "sein Pulver verschießt". Eine vorbeugende Gabe bei 3lingen ohne akutes Frühgeburtsrisiko nach dem Motto "was man hat das hat man" erscheint vor diesem Hintergrund als nicht mehr sinnvoll.

Als Anhaltspunkt habe ich Ihnen die momentan aktuelle Empfehlung zur
Lungenreifung aus meinem Kreißsaal ins allgemain verständliche Deutsch
übersetzt und als Anlage an diese Mail beigefügt.

Bezüglich kindlicher Nebenwirkungen durch Wehenhemmer ist bisher lediglich das Auftreten einer Tachycardie (=schneller Herzschlag) während der Behandlung mit ßMimetika (zB Partusisten) wissenschaftlich belegt. Langzeiteffekte auf zB die psych. Entwicklung werden zwar immer wieder dikutiert konnten aber bisher nicht belegt werden (was auch bei den vielfältigen Einflüssen auf die psych. Entwicklung eines Menschen sehr schwierig sein dürfte). Da heute die Dauer-Tokolyse(=Wehenhemmung) weitgehend verlassen ist sind mE bei kurzfristigem
Einsatz keine kindlichen Schädigungen zu erwarten.

MfG
Gerresheim

Anlage
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Antenatale Glucocorticoide zur Prävention des Respiratory Distress Syndrom ( Lungenreifung)


1. Der Einsatz antenataler Glucocorticoide reduziert bei Frühgeborenen signifikant die Rate an Atemnotsyndromen, neonatalen Todesfällen und Gehirnblutungen.

2. Das optimale Intervall zwischen Corticoid Gabe und Entbindung beträgt mehr als 24 Stunden und weniger als 7 Tage nach Therapiebeginn. Aus diesem Grunde muß der Zeitpunkt der Lungenreifung gut abgewogen werden. Eine prophylaktische Gabe zB bei Mehrlingen ohne akutes Frühgeburtsrisiko erscheint also nicht sinnvoll.

3. Patientinnen sollten darüber aufgeklärt werden, dass eine einmalige RDS Prophylaxe (= Lungenreifung) nicht mit signifikanten mütterlichen oder fetalen Nebenwirkungen assoziiert ist.

4. Indikationen: jede Schwangere zwischen 24 . und 34. SSW bei

- vorzeitige , muttermundswirksame Wehentätigkeit
- starke Blutungen in der Schwangerschaft
- vorzeitiger Blasensprung
- jede Situation die eine elektive vorzeitige Entbindung erfordert (z.B.schwere Unterfunktion des Mutterkuchens, schwere Gestosen)

5. Dosierung und Applikation:

- 2 x 12 mg Betamethason (Celestan) i.m. im Abstand von 24 Stunden
- bei HELLP Syndrom gleiche Dosierung i.v.

6. Kontraindikationen : systemische Infektionen einschl. Tuberkulose

7. Bei Diabetes und Mehrlingsschwangerschaften ist eine Wirkung nicht wissenschaftlich gesichert , es wird jedoch empfohlen auch in diesen Fällen eine Lungenreifung durchzuführen. Beim Diabetes muß jedoch der Blutzucker engmaschig überwacht werden und gegebenenfalls mit Insulin gesenkt werden ( Durch Corticoide steigt der Blutzucker an)

8. Wiederholte Therapiezyklen:

Da der positive Effekt wiederholter Gaben bei gleichzeitig bestehenden Bedenken bezüglich des Nebenwirkungsrisikos nicht belegt ist sollte eine Wiederholung der Celestan Gabe individuell erwogen werdenund optimalerweise nur im Rahmen von Studien erfolgen (natürlich nach eingehender Aufklärung der Schwangeren).

Da in einer Studie* bei Frühgeborenen vor der 28. SSW ein positiver Effekt der wiederholten Celestan Gabe nachgewiesen wurde erscheint bei Pat. vor der 28. SSW und weiter bestehendem Frühgeburtsrisiko nach 8 - 10 Tagen eine Wiederholung sinnvoll.


Die Empfehlungen entsprechen der guideline No. 7 des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists vom Februar 2004 (www.rcog.com)


* Guinn DA Single vs weekly courses of antenatal corticosteroids for women at risk of preterm delivery : A randomised controlled trial. JAMA 2001; 286: 1581-7

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Unterm Strich bedeutet es, dass man als Risikoschwangere sich genau beim eigenen Gyn oder im Krankenhaus erkundigen sollte und sich kein X für ein U vormachen lässt.
Liebe Grüße
Silke
mit K.(w), L. (m) und J. (m) (25.02.02)

Mathias

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2

Donnerstag, 16. Juni 2011, 22:11

Die Diskussion zu diesem Thema findest du > HIER <
mit
Linda, Sarah und Tabea *5.5.10

Gerade im Verkehrsfunk gehört: es liegt ein Besen auf der Autobahn!

Mädels, alles OK oder ist jemand abgestürzt?